Fachbegriffe / Abkürzungen

Autochthon: In vielen Veröffentlichungen und Ausschreibungen wird der Ausdruck „autochthone Art“ verwendet, um eine regionale Herkunft auszudrücken. Da ‚autochthon‘ in der Botanik im strengeren Sinnn für Arten verwendet wird, die in der Region entstanden sind, sollte hier der Begriff ‚gebietseigen‘ verwendet werden. Tatsächlich haben nur wenige Gattungen ihr Genzentrum in Mitteleuropa.

BnatschG: Bundesnaturschutzgesetz.

gebietseigen: Nach KOWARIK und SEITZ (2003)1 Kowarik,I. & B.Seitz (2003): Perspektiven für die Verwendung gebietseigener Gehölze. – Neobiota 2:3-26; TU Berlin, Institut für Ökologie werden Sippen als gebietseigen (synonym mit gebietsheimisch) bezeichnet, die aus Populationen einheimischer Arten stammen, welche sich in einem bestimmten Naturraum über einen langen Zeitraum in vielfachen Generationsfolgen vermehrt haben und bei denen eine genetische Differenzierung gegen Populationen der gleichen Art aus anderen Naturräumen anzunehmen ist. Allgemein gilt Vermehrungsgut dann als gebietseigen, wenn es aus der Herkunftsregion stammt, in der es auch verwendet werden soll. Diese Definition verlangt daher auch eine Abgrenzung der zugehörigen Regionen (siehe Karte unter Zertifikat).

gebietsheimisch: synonym zu gebietseigen.

Heumulch: Beim Heumulchverfahren wird ein reifer Grünlandbestand beerntet und das komplette Mähgut (Heumulch) auf einer zu begrünenden Fläche ausgebracht. Bei unverzüglicher Ausbringung (wenige Stunden) kann auf eine Zwischentrocknung verzichtet werden. Das Verfahren ist auch zur Artenanreicherung vorhandener Grünlandbestände geeignet; zum Teil treten hohe Saatgutverluste bei den Transport- und Ladevorgängen auf. Das Verfahren ist i.d.R. kostenintensiv und wird vor allem lokal bei anspruchsvollen Naturschutzprojekten angewandt.

Herkunft: Lebensraum einer Population. Der Begriff wird auch auf die Population selbst angewendet, wenn ihre Eigenschaft, aus einem bestimmten Gebiet zu stammen, hervorgehoben werden soll. Individuen einer Herkunft können sich in ihren Eigenschaften von denen anderer Herkünfte signifikant unterscheiden.

Herkunfsregion: Bezeichnung für einen geographischen Raum, aus dem Wildarten stammen, der zumeist nach naturräumlichen Kriterien gegenüber anderen abgegrenzt ist.

Invasive Arten: Neu eingebürgerte Arten (Neophyten), die durch ihre massenhafte Vermehrung unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope haben und auch oft ökonomische Probleme verursachen.

Mähgutübertragung: Sammelbegriff für Begrünungsverfahren, bei denen Spenderflächen beerntet werden und das gewonnene Material auf Zielflächen wieder ausgebracht wird. Bei einigen Verfahren wird das Mähgut nach der Entnahme aufbereitet, z.B. durch Trocknen und Grobreinigen. Siehe auch Heumulch und Wiesendrusch.

Population: Eine Gruppe von Individuen der gleichen Art, die aufgrund ihrer Entstehungsprozesse miteinander verbunden sind, eine Fortpflanzungsgemeinschaft bilden und zur gleichen Zeit in einem gemeinsamen Areal zu finden sind.

Regiosaatgut: Ungeschützter Begriff, der Saatgut mit einem Herkunftsbezug zu einem Naturraum oder davon abgeleiteten Einheiten versieht. Die Verwendung des Begriffs Regiosaatgut wurde in den Anfängen der Diskussionen um gebietseigenes Saatgut verwendet (z.B. Hiller, A. et al.., 2004) 2 (Das Regiosaaten-Konzept – Bereitstellung von herkunftstreuem Wildpflanzensaatgut für Begrünungen in der freien Landschaft. – Treffpunkt Biologische Vielfalt IV : aktuelle Forschung im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt vorgestellt auf einer wissenschaftlichen Expertentagung an der Internationalen Naturschutzakademie Insel Vilm.) Heute verwenden viele ausschreibende Stellen und auch einige Anbieter von Saatgut noch diesen Begriff. Der VWW verwendet dagegen den Begriff „Regiosaaten” zur Definition seiner einem festen Regelwerk unterliegenden Zertifizierungsprodukte.

RSM: Regel-Saatgut-Mischung. Mischungsvorgaben für Rasenneuanlagen, die vom Verein „Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.“ herausgegeben werden. Diese Mischungen werden in vielen Ausschreibungen als Standard vorgegeben, obwohl die Aussaatstärken und die Artenzusammensetzung in der freien Landschaft oft nicht zweckmäßig sind und sogar gegen das Naturschutzgesetz verstoßen.

SaatVerkG oder SaatG: Saatgutverkehrsgesetz.

Sippe: Als Sippen werden genetisch eigenständige Verwandschaftsgruppen beliebiger Rangstufe bezeichnet, z.B. Art, Unterart, Varietät, geografische Rasse, entspricht in vielen Fällen dem Taxon.

Sorte: Juristischer Begriff: Als Sorten werden züchterisch bearbeitete Linien einer Sippe bezeichnet, die vom Bundessortenamt als Sorten anerkannt sind und deren Vermarktung gesetzlich geschützt ist.

Teilautochthone Mischung: Ein im bayerischen Naturschutz verwendeter Begriff für Wildsaatgut-Mischungen, die auch eine Reihe von Zuchtsorten enthalten. Mit Rücksicht auf das Saatgutverkehrsgesetz sollen vor allem Grasarten als Zuchtformen den Wildarten zugemischt werden. Fachlich weicht die Ausbringung von Zuchtformen auch in Mischung mit Wildarten von den Grundlagen des VWW ab und verstößt auch gegen § 40.4 Bundesnaturschutzgesetz.

Wiesendrusch: Ernteverfahren, bei dem zumeist mit einem Mähdrescher ein reifer Wiesenbestand gemäht und gedroschen wird. Das Erntegut besteht aus einer Mischung der zum Erntezeitpunkt in der Wiese reifen Samen, ein mäßiger Anteil an Stengeln, Blattresten und unreifen Samen ist charakteristisch. Durch Beerntung mehrerer Spenderflächen mit mehreren Erntedurchgängen von Mai bis Oktober können die meisten der vorkommenden Arten eines Vegetationstyps im Erntegut erfasst werden. Der gewonnene Wiesendrusch wird nach jeder Beerntung separat getrocknet, gereinigt und gelagert. Durch Mischen von Druschgut verschiedener Flächen und Termine kann ein artenreiches und auf die Zielfläche ausgerichtetes Saatgutprodukt gewonnen werden.