Das Zertifikat VWW-Regiosaaten® – Sicherung von Herkunft und Qualität

Eines der größten Probleme bei der Ausschreibung von regionalem Wildpflanzensaatgut war der Nachweis der gewünschten Herkunftsqualität der zu liefernden Ware.

Der VWW hat hierzu eine unabhängige bundesweite Zertifizierung für die Wildsaatgutproduktion ins Leben gerufen. Die Zertifizierung erfolgt ohne staatliche Zuschüsse. Produzierende Betriebe und Händler werden gleichermaßen in das System einbezogen, um den Mengenfluss des Saatguts nachvollziehbar zu halten.

Vergabestruktur des Zertifikats

Träger des Zertifikates, entwickelt das Regelwerk, nimmt Anträge zur Prüfung auf Zertifizierung entgegen VWW
Unabhängiges, renommiertes Zertifizierungsunternehmen, überwacht und prüft die Einhaltung des Regelwerks bei den Antragsbetrieben, protokolliert die Prüfungsergebnisse für die Vergabekommission ABCert
Vergabekommission, nimmt die Prüfprotokolle von ABCert entgegen und vergibt die Lizenz zum Führen des Siegels an die jeweiligen Betriebe, bzw. entscheidet über Sanktionen bei Verstößen 6 Personen aus Verwaltung, Wirtschaft und Forschung, die vom VWW und der Saatgutproduktion unabhängig sind
Vergabstruktur der VWW-Zertifikate

Vergabestruktur der VWW-Zertifikate

Alle Betriebe, die das Siegel führen wollen (Saat- und Pflanzgutproduzenten, Händler), müssen sich zur Ausweisung der Herkunftsqualität ihrer Ware der Kontrolle unabhängiger Prüfer unterziehen.

Zertifiziert wird der Betriebszweig „Wildpflanzenproduktion/Handel“.

Schmetterling

Samensammlers
Lied (Leid)

Wichtige Prüfkriterien zur Erlangung des Zertifikates sind:

  1. Dokumentation der Sammlung von Ausgangssaatgut für die Vermehrung:

    Behördlich genehmigte Entnahme aus ausgereiften, unverfälschten Beständen. Angepasste Entnahmestrategie nach Samenanzahl und Orten. Dokumentation der Sammlung.

  2. Anbauflächenkontrolle zur Abschätzung der produzierten Mengen und Prüfung deren Qualität. Damit wird eine Prüfung der Plausibilität der verkauften Produktmengen möglich. Dokumentation von Arten und Anbauparzellen, Prüfung von Artzugehörigkeit, Reinheit und Keimfähigkeit.

  3. Stichprobenkontrolle von Saat- und Pflanzgut bei Händlern und Produzenten, Prüfung des Warenflusses in Lagerhaltung und Buchführung.
-> Regelwerk mit den Prüfanforderungen
Artenliste

Liste angebauter Arten

Seit 2008 ist das erste bundesweit einheitlich zertifizierte Wildsaatgut erhältlich. Mit diesem Zertifikat erhält der Kunde ein hohes Maß an Qualitätssicherheit und einen Herkunftsnachweis.

CentaureaDie Regionen im VWW

Nach wissenschaftlichen Kriterien werden für Deutschland 22 Regionen festgelegt, in denen die Sammlung und Ausbringung von Pflanzenarten dem Kriterium „gebietseigen“ genügt. Hierzu wurde eine Studie der deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) 1 DBU 2010: Entwicklung und praktische Umsetzung naturschutzfachlicher Mindestanforderungen an einen Herkunftsnachweis für gebietseigenes Wildpflanzensaatgut krautiger Pflanzen. Abschlussbericht, Univ. Hannover, Aktenzeichen DBU: 23931 in Auftrag gegeben.

Diese 22 Herkunftsregionen umfassen also Gebiete, in denen die meisten Pflanzenarten nur geringe genetische Unterschiede aufweisen. Innerhalb einer Herkunftsregion können – mit Ausnahme von Extremstandorten wie Salzwiesen oder hochmontanen Lagen – die Pflanzen an geeigneten Orten gesammelt und auf den meisten Standorten wieder ausgebracht werden.
Unsere Mitgliedsbetriebe vermehren in der Regel in der Nähe der Sammlungsorte. Damit sind für die Vermehrung ähnliche klimatische Bedingungen gegeben wie am Herkunftsort.
Der VWW strebt entsprechend den Vorschlägen des DBU-Projektes eine umfassende Versorgung mit regionalem Wildpflanzensaatgut in allen 22 Regionen an.
Allerdings beträgt nach unseren Erfahrungen der Absatz von heimischem Wildpflanzensaatgut bislang weniger als 1% der Menge für Landschaftspflege, Naturschutz und Ingenieurbiologie. Derzeit sind also die regionalen Absatzmengen in 22 Herkunftsregionen für einen wirtschaftlichen Anbau meist nicht ausreichend.
Der VWW führt deshalb die 22 Regionen in 8 Produktionsräumen zusammen. Wenn die Nachfrage steigt, können weitere Regionen unterteilt werden. Schon heute können allerdings in einigen der 22 Regionen nahezu vollständige Sortimente angeboten werden.
In den Produktionsräumen ist aufgrund größerer Nachfrage eine betriebliche Entwicklung mit einem größeren Sortiment möglich. Jeder zertifizierte Mitgliedsbetrieb ist verpflichtet, seine Herkünfte punktgenau zu dokumentieren und seinen Anbau und Verkauf nachvollziehbar aufzuzeichnen. Damit kann jede Saatgutpartie den kleinsten naturräumlichen Einheiten zugeordnet werden.

Bedenken Sie bitte:

  • Der Bedarf an Saatgut in kleinen Regionen ist projektbedingt großen Schwankungen unterworfen.  Ein Großprojekt kann das gesamte Angebot abschöpfen. Für alle weiteren Anfragen steht dann kein regionales Saatgut mehr zur Verfügung. Oft reicht für Großprojekte das kleinregionale Angebot nicht aus.
  • Saatgut hat eine begrenzte Lagerfähigkeit. Was nach wenigen Jahren nicht abgesetzt wurde, muss entsorgt werden. Damit steigen die Kosten.
  • Um die verschiedenen Standorte und Ansprüche abdecken zu können, sind größere Artenpaletten erforderlich.
  • Im Fazit sind die Produktionskosten für kleine Regionen in der Regel höher.

Konzepte, die eine hohe Zahl an Regionen und Produktionsstandorten umfassen, sind nach den heutigen Marktbedingungen unrealistisch und täuschen eine Verfügbarkeit vor, die bislang nicht existiert.

Regionen und Produktionsräume

Karte einer Gliederung Deutschlands in 8 Produktionsräume und 22 Regionen für Wildpflanzen

Karte der 22 Regionen für Gräser und Kräuter

Dunkle Umrandung: Regionen und Produktionsräume
Helle Umrandung: Bundesländer

Produktionsräume

NW: Nordwestdeutsches Tiefland
NO: Nordostdeutsches Tiefland
MD: Mitteldeutsches Flach- und Hügelland
WB: Westdeutsches Berg- und Hügelland
SO: Südost- und ostdeutsches Bergland
SW: Südwestdeutsches Berg- und Hügelland mit Oberrheingraben
SD: Süddeutsches Berg- und Hügelland
AV: Alpen- und Alpenvorland

Regionen

1 = Nordwestdeutsches Tiefland
2 = Westdeutsches Tiefland mit Unterem Weserbergland
3 = Nordostdeutsches Tiefland
4 = Ostdeutsches Tiefland
5 = Mitteldeutsches Tief- und Hügelland
6 = Oberes Weser- und Leinebergland mit Harz
7 = Rheinisches Bergland
8 = Erz- und Elbsandsteingebirge
9 = Oberrheingraben mit Saarpfälzer Bergland
10 = Schwarzwald
11 = Südwestdeutsches Bergland
12 = Fränkisches Hügelland
13 = Schwäbische Alb
14 = Fränkische Alb
15 = Thüringer Wald, Fichtelgebirge und Vogtland
16 = Unterbayerische Hügel- und Plattenregion
17 = Südliches Alpenvorland
18 = Alpen
19 = Bayerischer und Oberpfälzer Wald
20 = Sächsisches Löß- und Hügelland
21 = Hessisches Bergland
22 = Uckermark mit Odertal

Quelle: Prasse, R. et al. (2010): Entwicklung und praktische Umsetzung naturschutzfachlicher Mindestanforderungen an einen Herkunftsnachweis für gebietseigenes Wildpflanzensaatgut krautiger Pflanzen; Abschlussbericht DBU-Projekt: AZ 23931; Institut für Umweltplanung, Universität Hannover, online verfügbar unter: „https://www.dbu.de/OPAC/ab/DBU-Abschlussbericht-AZ-23931.pdf“; Karte verändert nach VWW.