Was ist Grünland?

Grünland wird in der Regel in landwirtschaftlich genutzte Weiden und Wiesen (gemäht) unterschieden. Allerdings sind die Übergänge zu verschiedenen anderen Vegetationsformen, wie Ackerkulturen und ungenutzten Wildgrünlandbeständen sowie zu Brachen und Säumen fließend. Ist eine mehrjährige Futterbaukultur aus Weidelgras und Weißklee schon Grünland? Ungenutztes Grünland kann nach wenigen Jahren wie eine typische Staudenflur aussehen (z.B. eine Möhren-Bitterkrautflur), dennoch können tatsächlich noch fast alle Grünlandarten des genutzten Bestands vorhanden sein, so dass bereits nach dem ersten Mal Mähen wieder eine fast normale Wiese entsteht. Zudem gibt es Fels- und Steppenrasen, Salzwiesen, Flutrasen, Wildwiesen und initiales Grünland in den Flussauen oder im Hochgebirge, das keiner menschlich beabsichtigten Nutzung unterliegt. Dagegen nutzen die Wildtiere der freien Natur diese Flächen durchaus als Nahrungsquelle.

Dauerhaftes Grünland ist aber in Mitteleuropa zu über 90 % durch menschliche Nutzung entstanden. Zwar sind die Pflanzen, die diese Bestände aufbauen, nicht vom Menschen eingebracht worden, sondern in der Regel spontan zugewandert, dennoch ist es eine landwirtschaftliche Kulturform, die eben mit Wildpflanzen arbeitet. Da sich fast jeder Standort von Gehölzen freistellen und stattdessen beweiden oder mähen lässt, ist die Zahl der an die unterschiedlichen Standorteigenschaften angepassten Pflanzen extrem hoch. Etwa die Hälfte der heimischen Gefäßpflanzenarten ist direkt oder mittelbar auf die Grünlandnutzung angewiesen. Dasselbe gilt für einen Großteil unserer Tierwelt. Extensives Grünland ist das Herz der genetischen und ästhetischen Vielfalt unserer Landschaften, der Schwerpunkt des mitteleuropäischen Artenreichtums.

Funktion: Die Ökosystemfunktionen von Grünland sind entsprechend der vielfältigen Ausprägungen sehr weit gefächert. Neben der oben angesprochenen zentralen Bedeutung für den Artenschutz, bewirkt Grünland eine hohe Grundwasserneubildung, Nebelbildung und Kaltluftzufluss für die Siedlungen in Tallagen, Erosionsschutz, örtliche Identifikation und Naherholung über das Landschaftsbild, Futter für die Tierhaltung, Kohlenstoffbindung, kulturellen Nutzen durch genetische Ressourcen.

Neben initialen und kurzlebigen Beständen sind die allermeisten Grünlandflächen dauerhaft stabil, solange die Standortfaktoren einschließlich Nutzung den langjährigen örtlichen Durchschnittsbedingungen entsprechen. Unter hiesigen klimatischen Bedingungen – bedeutend ist hier der jährliche Niederschlag – muss Grünland daher regelmäßig gemäht oder beweidet werden, sonst weicht es rasch brachebildenden Arten und anschließend Gebüschen und Wald. Ohne das Zutun des Menschen bzw. das seiner grasenden Haustiere könnte sich Grünland nicht behaupten und selbst natürlich wirkende Flächen wie die Heiden Norddeutschlands würden ohne Beweidung wieder bewalden.

Das Ende der Wiese?

Über Jahrtausende erschuf und bewahrte die Landwirtschaft unsere Wiesen und Weiden. Seit etwa 70 jahren, mit dem verbreiteten Einsatz von Mineraldünger, ist sie allerdings dabei, diese einzigartigen Lebensräume zu zerstören. Wirtschaftliche Produktion, die an weltweit gültigen Marktpreisen gemessen wird, zwingt die Landwirte zu Rationalisierung und Intensivierung, damit sterben gleichzeitig die meisten Betriebe und die Artenvielfalt.

Die Entwicklung der Grünlandstandorte verläuft häufig gleich: Auf ungünstigen Standorten, wie etwa Schafweiden, Feuchtwiesen oder Streuobstwiesen, geht die Nutzungsintensität bis zur Aufgabe zurück, aus einer schleichenden Verbrachung wird schließlich eine Schilffläche, eine Reitgrasbrache oder eine Distelflur, die wiederum von Erlen, Salweiden oder Schlehen abgelöst werden. Die meisten Tier- und Pflanzenarten sind verschwunden. Die verbleibenden Wiesen werden auf besseren Böden zu Ackerflächen umgebrochen, die übrigen in ihrer Nutzung intensiviert. Es wird reichlich gedüngt und bis zu sechsmal im Jahr gemäht. Dabei geht es inzwischen nicht nur um Viehfutter, sondern auch um Energiegewinnung.

Durch den Boom der Biogasanlagen steigen immer mehr Landwirte auf eine Intensivierung ihrer Wiesennutzung um und nehmen in Kauf, dass ihre Flächen durch die zahlreichen Schnitte pro Jahr völlig verarmen.

Die Maßnahmen, die zur Erhaltung bestehender Wiesen und ihrer Artenvielfalt beitragen, sind in der Regel einfach, aber häufig schwer in den modernen Betriebsablauf eines landwirtschaftlichen Betriebs einzupassen: weniger düngen, termingerechte Nutzung, angepasste Bestandspflege (keine Entwässerung, keine Nachsaat von Kulturformen, Mulchen nur in Ausnahmefällen, keine Herbizide, termingerechtes Schleifen, witterungs- und artenangepasste schonende Maschinentechnik).

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