Das Zertifikat „VWW-Regiosaaten®“ - Sicherung von Herkunft und Qualität
Eines der größten Probleme bei der Ausschreibung von regionalem Wildpflanzensaatgut war der Nachweis der gewünschten Herkunftsqualität der zu liefernden Ware.
Der VWW hat hierzu eine unabhängige bundesweite Zertifizierung für die Wildsaatgutproduktion ins Leben gerufen. Die Zertifizierung erfolgt ohne staatliche Zuschüsse. Produzierende Betriebe und Händler werden gleichermaßen in das System einbezogen, um den Mengenfluss des Saatguts nachvollziehbar zu halten.
| Träger des Zertifikates, entwickelt das Regelwerk, nimmt Anträge zur Prüfung auf Zertifizierung entgegen | VWW |
| Unabhängiges, renommiertes Zertifizierungsunternehmen, überwacht und prüft die Einhaltung des Regelwerks bei den Antragsbetrieben, protokolliert die Prüfungsergebnisse für die Vergabekommission | ABCert |
| Vergabekommission, nimmt die Prüfprotokolle von ABCert entgegen und vergibt die Lizenz zum Führen des Siegels an die jeweiligen Betriebe, bzw. entscheidet über Sanktionen bei Verstößen | 5 Personen aus Verwaltung, Wirtschaft und Forschung, die vom VWW und der Saatgutproduktion unabhängig sind |
Alle Betriebe, die das Siegel führen wollen (Saat- und Pflanzgutproduzenten, Händler)1(Zur Zeit besteht nur eine Zertifizierung von Saatgut. Eine Pflanzgutzertifzierung soll auf Antrag interessierter Betriebe angeschlossen werden.), müssen sich zur Ausweisung der Herkunftsqualität ihrer Ware der Kontrolle unabhängiger Prüfer unterziehen.
Zertifiziert wird der Betriebszweig „Wildpflanzenproduktion/Handel“. Das Saat- und Pflanzgut dieser Produktion wird in zwei Qualitäten in den Handel gebracht:
- Siegel ohne Regionalnummer: Einzelsaaten und Saatgutmischungen aus Arten gesicherter Herkünfte, produziert nach den Regeln der VWW-Regiosaaten®: Alle Bestandteile des Saatguts stammen aus gesicherten deutschen Herkünften. Zugelassen ist zudem ein Anteil einjähriger Kulturarten, siehe §27 des Regelwerks.
- Siegel mit Regionalnummer: Einzelsaaten und Saatgutmischungen aus Arten einer der 22 deutschen Regionen, produziert nach den Regeln der VWW-Regiosaaten®: Das Saatgut enthält mindestens 50% der Arten aus einer Region; die restlichen Anteile stammen aus gesicherten deutschen Herkünften. Zugelassen ist zudem ein Anteil einjähriger Kulturarten, siehe §27 des Regelwerks.
Eine dritte Siegelkategorie wird ca. ab 2010 angestrebt. Die Erarbeitung der fachlichen Grundlagen erfolgt zur Zeit durch ein Förderprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Darin werden nur Arten verwendet, die nach strengen naturschutzfachlich Regeln für jede Region gefiltert wurden. Hierzu werden alle vorkommenden Arten im Hinblick auf Rote-Liste-Status, Verbreitung, Schutzstatus, Ausbreitungsverhalten und genetischen Kriterien geprüft und für eine Ausbringung in der Region freigegeben oder gesperrt.
Wichtige Prüfkriterien zur Erlangung des Zertifikates sind:
- Dokumentation der Sammlung von Ausgangssaatgut für die Vermehrung: Behördlich genehmigte Entnahme aus ausgereiften, unverfälschten Beständen. Angepasste Entnahmestrategie nach Samenanzahl und Orten. Dokumentation der Sammlung.
- Anbauflächenkontrolle zur Abschätzung der produzierten Mengen und Prüfung deren Qualität. Damit wird eine Prüfung der Plausibilität der verkauften Produktmengen möglich. Dokumentation von Arten und Anbauparzellen, Prüfung von Artzugehörigkeit, Reinheit und Keimfähigkeit.
- Stichprobenkontrolle von Saat- und Pflanzgut bei Händlern und Produzenten, Prüfung des Warenflusses in Lagerhaltung und Buchführung.
Seit 2008 ist das erste bundesweit einheitlich zertifizierte Wildsaatgut erhältlich. Mit diesem Zertifikat erhält der Kunde ein hohes Maß an Qualitätssicherheit und einen Herkunftsnachweis.
Vergabestruktur des Zertifikats
Regelwerk zur Prüfungsanforderung
Die vollständigen Kriterien hier (PDF-Format).
Die Regionen im VWW
Nach wissenschaftlichen Kriterien werden für Deutschland 22 Regionen festgelegt, in denen die Sammlung und Ausbringung von Pflanzenarten dem Kriterium „gebietseigen“ genügt. Hierzu wurde eine Studie 2 (Entwicklung und praktische Umsetzung naturschutzfachlicher Mindestanforderungen an einen Herkunftsnachweis für gebietseigenes Wildpflanzensaatgut krautiger Pflanzen. 2008 - 2010) der deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Auftrag gegeben.
Diese 22 Herkunftsregionen umfassen also Gebiete, in denen die meisten Pflanzenarten nur geringe genetische Unterschiede aufweisen. Innerhalb einer Herkunftsregion können – mit Ausnahme von Extremstandorten wie Salzwiesen oder hochmontane Lagen - die Pflanzen an geeigneten Orten gesammelt und auf den meisten Standorten wieder ausgebracht werden.
Unsere Mitgliedsbetriebe vermehren in der Regel in der Nähe der Sammlungsorte. Damit sind für die Vermehrung ähnliche klimatische Bedingungen gegeben wie am Herkunftsort.
Der VWW strebt entsprechend den Vorschlägen des DBU-Projektes eine umfassende Versorgung mit regionalem Wildpflanzensaatgut in allen 22 Regionen an.
Allerdings beträgt nach unseren Erfahrungen der Absatz von heimischem Wildpflanzensaatgut bislang weniger als 1% der Menge für Landschaftspflege, Naturschutz und Ingenieurbiologie. Derzeit sind also die regionalen Absatzmengen in 22 Herkunftsregionen für einen wirtschaftlichen Anbau meist nicht ausreichend.
Der VWW führt deshalb die 22 Regionen in 8 Produktionsräumen zusammen. Wenn die Nachfrage steigt, können weitere Regionen unterteilt werden. Schon heute können allerdings in einigen der 22 Regionen nahezu vollständige Sortimente angeboten werden.
In den Produktionsräumen ist aufgrund größerer Nachfrage eine betriebliche Entwicklung mit einem größeren Sortiment möglich. Jeder zertifizierte Mitgliedsbetrieb ist verpflichtet, seine Herkünfte punktgenau zu dokumentieren und seinen Anbau und Verkauf nachvollziehbar aufzuzeichnen. Damit kann jede Saatgutpartie den kleinsten naturräumlichen Einheiten zugeordnet werden.
Bedenken Sie bitte:
- Der Bedarf an Saatgut in kleinen Regionen ist großen Schwankungen unterworfen, da projektbedingt der Absatz stark schwankt.
- Saatgut hat eine begrenzte Lagerfähigkeit. Was nach wenigen Jahren nicht abgesetzt wurde, muss entsorgt werden. Damit steigen die Kosten.
- Um die verschiedenen Standorte und Ansprüche abdecken zu können, sind größere Artenpaletten erforderlich. Im Fazit sind die Produktionskosten für kleine Regionen in der Regel höher.
- In kleinen Regionen mit kleinen Produktionsmengen kann ein Großprojekt das gesamte Angebot abschöpfen. Für alle weiteren Anfragen steht dann kein regionales Saatgut mehr zur Verfügung. Oft reicht für Großprojekte das kleinregionale Angebot nicht aus.
Konzepte, die eine hohe Zahl an Regionen und Produktionsstandorten umfassen, sind nach den heutigen Marktbedingungen unrealistisch und täuschen eine Verfügbarkeit vor, die bislang nicht existiert.
Fehlende oder undurchschaubare Zertifikate eröffnen Möglichkeiten zum Kennzeichnungsmissbrauch. Ein gesundes Misstrauen sollten Sie gegenüber Zertifikaten haben, in denen wichtige Schritte der Qualitätssicherung nicht erfolgen, z.B. eine Vor-Ort-Besichtigung der Vermehrungsfläche.
Fragen Sie nach:
-
Werden die Anbauflächen kontrolliert?
Nur dann kann auch plausibel eine Beziehung zwischen den erzeugten und gehandelten Mengen hergestellt werden.
-
Werden für die Mischungen Regeln aufgestellt?
Es genügt nicht einen Produktionszweig zertifizieren zu lassen und den Verkauf des Saatguts nicht in die Kontrollkette einzubeziehen. In den Verkaufsmischungen können dann auch nicht zertifizierte Arten aus weltweiten Herkünften enthalten sein.
Regionen und Produktionsräume
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Dunkle Umrandung: Regionen und Produktionsräume
Helle Umrandung: Bundesländer -
Vorläufiger Kartenentwurf für eine Gliederung Deutschlands in 8 Produktionsräume und 22 Regionen für Wildpflanzen nach einem DBU-Projekt in Hannover (Leitung: Prof. Prasse, Institut für Umweltplanung, Hannover), Veröffentlichung in Vorbereitung, Stand Jan. 2009
Produktionsräume
- NW: Nordwestdeutsches Tiefland
- NO: Nordostdeutsches Tiefland
- MD: Mitteldeutsches Flach- und Hügelland
- WB: Westdeutsches Berg- und Hügelland
- SO: Südost- und ostdeutsches Bergland
- SW: Südwestdeutsches Berg- und Hügelland mit Oberrheingraben
- SD: Süddeutsches Berg- und Hügelland
- AV: Alpen- und Alpenvorland
Regionen
- 1 = Nordwestdeutsches Tiefland
- 2 = Westdeutsches Tiefland mit Unterem Weserbergland
- 3 = Nordostdeutsches Tiefland
- 4 = Ostdeutsches Tiefland
- 5 = Mitteldeutsches Tief- und Hügelland
- 6 = Oberes Weser- und Leinebergland mit Harz
- 7 = Rheinisches Bergland
- 8 = Erz- und Elbsandsteingebirge
- 9 = Oberrheingraben mit Saarpfälzer Bergland
- 10 = Schwarzwald
- 11 = Südwestdeutsches Bergland
- 12 = Fränkisches Hügelland
- 13 = Schwäbische Alb
- 14 = Fränkische Alb
- 15 = Thüringer Wald, Fichtelgebirge und Vogtland
- 16 = Unterbayerische Hügel- und Plattenregion
- 17 = Südliches Alpenvorland
- 18 = Alpen
- 19 = Bayerischer und Oberpfälzer Wald
- 20 = Sächsisches Löß- und Hügelland
- 21 = Hessisches Bergland
- 22 = Uckermark mit Odertal
Letzte Aktualisierung: 7. Juli 2010